"Lazarett" Station St. Helena

Mein traumatischer Umzug von der Station St. Valentin zur St. Helena

 

Eins ist schon mal klar: hier bleib ich nicht. Ausbruchspläne werden intensiv geschmiedet.

Man hat mir die Adern beider Arme unbrauchbar für den Tropf  gemacht. Die Flüssigkeit des Tropfs hat sich im Gewebe meines rechten Arms breit gemacht und scheint sich dort wohl zu fühlen. Leider führte das zu einer Bewegungseinschränkung.

Nachdem man hier heute plötzlich so tat, als ob ich überallhin selbst laufen kann, musste ich daran erinnern, dass
ich eigentlich überhaupt nicht laufen soll. Daraufhin wollte man mir eine Bettpfanne anbieten, die ich dankend ablehnte. Dies wiederum bewegte die Schwester zu einer Debatte mit dem Thema: "entweder oder".
Nun erklärte ich, dass mir immerwieder eine Gehilfe angeboten wird,ich dann aber keine bekomme....und das hier jeder etwas anderes sagt, und ich nicht mehr weiß was nun richtig ist. Des weiteren stellte ich in einem Schlußsatz fest, dass ich keinen Einblick darüber habe, was hier im Haus geht und was nicht, da ich ja hier nicht arbeite.


Aber fange ich mal bei gestern Abend an:

Nach zwei Anläufen gelang es einer lieben Schwester und ihrer Schülerin mir einen Tropfzugang zu legen. Alle waren glücklich. Bis SIE kam. SIE ist eine korpulente nachblondierte Frau jenseits der 50iger. Sie japst viel und verhaspelt sich öfters beim sprechen. Eigentlich kam sie ganz sympatisch rüber. Ich nahm einen ehemaligen Luftröhrenschnitt zwischen ihren Halsfalten wahr. Sie hängte mir den Tropf an meinen neu erworbenen Zugang. Dann begann sie mehrmals den Schlauch an verschiedenen Stellen zu knicken. Jedesmal hätte ich aufheulen können.
Ich ließ es aber über mich ergehen. Als diese Frau dann dieselbe Prozedur bei meiner Bettnachbarin vollführte, und diese mit schmerzverzerrtem Gesicht fragte, wie lange der Tropf nun bis zur Entleerung benötigt und zur Antwort bekam "5 Minuten",wurde mir klar, dass hier wirklich etwas nicht stimmte. Ich erklärte, dass es normalerweise ca. 30 Minuten an Durchlaufzeit benötigt. Meine Worte stießen auf resoluten Protest bei der Schwester. Als Folge meiner "Dreistigkeit" knickte sie bei mir noch ein paar Mal den Schlauch mit scheinbarem Vergnügen. Unterdessen erklärte sie stolz, dass sie da schon ihre bewährten Methoden hat. Gut. Sie hatte in einem Punkt Recht. Nur 5 Minuten. Ich wurde abgestöpselt. Schon bald merkte ich, nachdem ich mich zum schlafen hingelegt hatte, das verschiedene Adern auf meiner rechten Seite (am Hals und über dem rechten Auge) zwickten und im Pulsschlag schmerzten.Mein Herz schien belastet, denn ich konnte nicht gut durchatmen. Das Ausatmen viel mir schwer. Mein Herz schlug unregelmäßig und hinterte mich am entspannten liegen. An Einschlafen war nur schwer zu denken, was auch nicht durch die Schnarchgeräusche unserer ältesten (aber sehr lieben) Bettnachbarin begünstigt wurde. Die Nacht war infolge dessen eher zu etwas geworden, dessen Ende man herbeisehnt. Nun denn.

 

Glücklich, dass hier gegen 5:30 endlich (duch das Einschalten des Zimmerlichts) der Morgen simuliert wurde, hoffte ich auf bessere Behandlung und einen baldigen Besuch im Bad.

Zuerst aber der Tropf. Ich bat die Nachtschwester um Milde bei der Einstellung der Durchlaufgeschwindigkeit. Sie gab sich Mühe, schien aber doch eher einen baldigen Dienstschluss vor Augen zu haben.Die Flüssigkeit kam in meinen Adern schmerzerzeugend an. Ich dachte mir "ok. Da muss ich wohl durch".

Es fühlte sich an meiner Hand auf einmal so kalt an. So, als würde die Flüssigkeit sich auf meiner
Hand breit machen. Ich sah an meiner Hand hinunter, stellte aber nichts fest. Da wir liegen sollten, während der Tropf lief, konnte ich auch nicht so schnell feststellen, was da so langsam aber sicher passierte. Schon bald kam die Nachtschwester und entfernte den Tropf wieder. Für sie war damit alles klar...und sie huschte schnell wieder aus dem Zimmer. Nun sah ich nochmals an meinem Arm hinunter und stellte voll Schrecken fest, dass ich oberhalb der Handwurzel eine dicke Beule hatte. Zaghaft berührte ich diese...und sie war mit Flüssigkeit gefüllt. Sofort klingelte ich nach der Schwester. Sie kam recht bald und hörte sich meinen zaghaften Verdacht an. Nachdem sie die Richtigkeit meiner Worte festgestellt hatte, flüsterte sie nur "ach gottchen, ach gottchen!" und wies mich an liegen zu bleiben und zu warten. Es müsse ein neuer Zugang gelegt werden. Das war um 6:00. Ich lag da nun ganz brav, in der Hoffnung, dass ja bald jemand kommen würde. Es kam aber niemand. Meine Blase war gefüllt, mein Knochen fingen an vom Liegen zu schmerzen. Als ich schon nicht mehr damit rechnete, ging um ca. 6:55 die Tür auf. Eine Schwester mit einem großen Utensilienwagen (mit unseren Akten und viel Zeug) kam herein.
Mit aller Hoffnung hielt ich meinen beschädigten Arm hoch...aber ich war noch nicht dran. Ich liege ja an Platz 3 in diesem Zimmer. Ich blieb geduldig, aber meine Stimmung bekam immer mehr dunkle Wolken.


Ups! Ich war plötzlich dran. Ich wurde darüber unterrichtet, dass sich die Schwester ja nicht teilen kann. Nun, da hatte sie wohl recht. Davon war ich auch nicht ausgegangen. Sie befreite mich von dem Aderzugang. Nun konnte ich das volle Ausmaß der Bescherung sehen. Ich hatte eine kleine dicke patschipatsch Hand! Süß aber nur passend, wenn man klein und rund ist. Zu mir paßte sie nicht wirklich. Ich konnte keine Faußt machen (dafür aber innerlich). Mein Bett wurde gemacht und ich versuchte schnell aufzustehen. Nachdem ich dabei faßt die Balance verloren hatte, wurde mir gesagt, dass ich ja auch währenddessen hätte liegenbleiben können. Aha! So wie bei der Altenpflege also.

Dann die Debatte mit der Bettpfanne...Ich begann ganz plötzlich zu weinen. Es brach einfach so aus mir raus. Ich konnte nichts dagegen tun. Die Schwester war wärenddessen nicht im Zimmer. Als sie zurückkam sah sie mich und rief gleich "na noch schneller kann ich aber nicht sein!" Die Gute dachte, dass sie der Auslöser war. Ich versicherte ihr unter weinen, dass es nicht wegen ihr sei, aber dass es mir, seitdem ich hierher verlegt wurde immer schlechter geht. Dann sah ich, dass sie mit nagelneu aussehenden Gehhilfen zurückgekommen war (ich dachte, die gäbe es hier nicht *laut hörbare Ironie in meinem Satz*).

Mein Zustand ließ Freude nicht zu, trotzdem bedankte ich mich höflich.Da mein Körper immernoch zitterte und das Weinen nicht nachlassen wollte, sollte ich mich erstmal wieder hinlegen und mich beruhigen. Derweil wurden alle nach Stuhlgang befragt. Die beiden anderen sollten draußen auf die Waage gehen. Ich wurde wieder auf die Stuhlwaage gesetzt. Ups! 80kg! Als ich mich Dienstagabend gewogen hatte, wog ich noch 87,..kg! Irgendwas konnte da nicht stimmen. Nun gut. Ich freute mich trotzdem etwas. Nun, nachdem die Schwester wieder weg war und das Bad wieder frei war, wollte ich nun endlich meine überfüllte Blase zur Toilette bringen. Schnell stellte ich fest, dass man für die heiß begehrten Gehilfen zwei gesunde Hände haben sollte.
Die rechte dicke Platschi-Pfote wollte aber keine Kraft ausüben. Das Heulen kam schockartig zurück.

Meine zimmerälteste Bettnachbarin fühlte sich etwas überfordert, aber sie kam zu mir und wollte mir helfen.

Sie ist wirklich süß. Natürlich lehnte ich ihre Hilfe dankend ab und katapultierte mich mit dem Spruch "watt mutt datt mutt" ins Bad, was die alte Dame lächeln ließ ...und mich auch.

 

So, nun war endlich mal eine Visite bei mir. Immerhin! Es sind ja auch nur ein paar Tage ohne diese vergangen. Mir wurde erklärt, dass man nun (eher zwangsweise - meine empfindlichen Adern zwingen sie dazu) Antibiotika per Tablette geben werde. Man wolle mich bis Sonntag noch beobachten und Montag über mein Heimgehen beratschlagen.

 

So, das waren die Kkh-News :)
Inzwischen habe ich mich mit meiner unförmigen und etwas ungelenken Hand angefreundet. Ebenfalls mit dem neuen Wind, der auf dieser Station, der etwas anderen Art, weht.


Ist jetzt halt Schluss mit lustig!

 

@MumeWorld