Japan Freitag, 01.04.2011
Ein sehr ausführlicher Bericht aus Japan (übersetzt ins Deutsche).
Hier das Neueste über Japan aus dem Zweigbüro in Tokio – 1. April 2011 Dies ist ein Bericht, den wir heute Morgen hier im Zweigbüro Tokio erhielten. Diese Woche hatten wir zum ersten Mal seit dem Erdbeben keine Stromsperre. Wir sind nicht sicher, was nächste Woche sein wird. Über das Ausmaß des Tsunamis: gestern Abend gab es in den Nachrichten einen Bericht über Wissenschaftler, die eine Studie durchführen. Sie fanden heraus, dass der Tsunami viele Orte über 20 Meter hoch bedeckte und manche sogar 30 Meter hoch. Also denke ich, dass der erste Bericht stimmte. Sie zeigten Küstengebiete mit hohen Klippen, die komplett überschwemmt waren! Es sind keine Bäume oder sonst etwas übrig. Unglaublich. Bericht aus dem Katastrophengebiet: Drei Glieder des Zweigbüros und drei Brüder der Dienstabteilung besuchten die Umgebung der drei Hilfskomitees in der Region Tohoku (Nord-Ost-Japan) - die Präfekturen Fukushima, Miyagi und Iwate. Die neuesten Statistiken zeigen, dass bis jetzt sechs unserer Brüder und Schwestern für tot erklärt wurden und 10 immer noch als vermisst gelten. Präfektur Fukushima: Die Brüder besuchten zwei Versammlungen in Fukushima mit jeweils 45 und 59 Verkündigern. Sie berichten, dass sie eine Menge Vorräte haben. Sie hielten Zusammenkünfte im Königreichssaal ab, und die Brüder und Schwestern, denen dort geholfen wurde, waren nett gekleidet und erzählten den Brüdern, dass die gespendete Kleidung, die sie trugen, schöner sei als irgend etwas, das sie zuvor besessen hatten. Sie sind all den Brüdern und Schwestern in Japan sehr dankbar, die Hilfsgüter und Kleidung für die Versammlung gesandt haben. Sie halten alle Zusammenkünfte ab und fühlen sich sicher. Als Nächstes besuchten sie Soma und Minami Soma, zwei Städte, die sehr schwer von dem Tsunami getroffen wurden, und die in der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks sind. Es gibt 145 Verkündiger in den beiden Versammlungen dort. Sieben Brüder und Schwestern wohnen innerhalb der 20-Kilometer-Zone des Atomreaktors und mussten gemäß der Aufforderung der Regierung ihre Häuser verlassen. Eine Schwester reichte dem Bruder vom Zweigbüro während seinem Besuch eine Notiz. Sie sagte, dass die materielle Hilfe, die sie erhalten hatten, wunderbar war, doch noch besser sei die geistige Betreuung durch das Zweigbüro und die Ältesten. Die Briefe des Zweigbüros, die Besuche der Brüder, die Tatsache, dass keine Zusammenkunft abgesagt sondern sogar unter widrigen Umständen durchgeführt wurde, gaben ihr innere Ruhe. All ihre Literatur wurde zerstört, doch sie freut sich darauf, die Menschen zum Gedächtnismahl einzuladen und den Leuten im Gebiet Trost zu bringen. Alle Brüder und Schwestern in der Versammlung Namie mussten evakuiert werden und versammeln sich nun mit einer Versammlung in Fukushima. Alle besuchten die Zusammenkunft, die dort abgehalten wurde. Danach gingen die Brüder zur Zentrale der Hilfskomitees in Koriyama City. Die Brüder im Komitee arbeiten sehr hart, um für die Bedürfnisse aller Brüder und Schwestern in den betroffenen Gebieten zu sorgen. (Auf den Fotos, die dem Bericht beigefügt waren, konnte man besonders das Lächeln der Brüder und Schwestern erkennen und ihre positive Einstellung.) Präfektur Miyagi: Der Bruder des Zweigbüros traf sich mit 139 Brüdern und Schwestern in der Zentrale des Hilfskomitees von Sendai. Das Komitee ist gut organisiert und sorgt sehr gut für die Brüder und Schwestern im Gebiet. Sie besuchten Kesenuma City, wo der Tsunami großen Schaden anrichtete (das ist die Stadt, wo das große schwarz-weiße Schiff auf’s Land geworfen wurde, das man in den Nachrichten sieht). Es sah aus wie ein ausgebombtes Kriegsgebiet. Es gab eine Explosion nach dem Tsunami, die einen Brand verursachte, der für einen großen Teil des Schadens verantwortlich war, der entdeckt wurde, nachdem das Wasser zurückgewichen war. Eine Schwester aus dieser Versammlung wird noch vermisst. Der Königreichssaal ist angefüllt mit Schlamm. Die Wasserspuren gehen zwei Meter hoch zur Anschlagtafel. Alle Versammlungen trafen sich zu einer Ansprache mit dem Bruder vom Zweigbüro. 49 Brüder und Schwestern versammeln sich zu ihren Zusammenkünften im Haus eines Bruders. Direkt nach dem Erdbeben und Tsunami wohnten 25 Brüder in dem Haus bei der Familie. Jetzt sind noch neun da, und sie haben immer noch kein fließendes Wasser. Als sie sich mit den Brüdern in Shimamachi (Matsushima) trafen, lasen sie den Text aus 1. Tim. 6:7,8 – „Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und wir können auch nichts mit hinaustragen. Wenn wir also Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein.“ Der Königreichssaal ist nicht gebrauchbar, doch 100 Brüder versammelten sich dort und standen die ganze Zeit über, während sie dem Vortrag zuhörten, den die Brüder des Zweigbüros hielten. Die Brüder konnten auch die Frau des Kreisaufsehers sehen, die vermisst worden war. Sie war mit einer anderen Schwester bei einem Bibelstudium in Tagajo City gewesen, als die Tsunamiwarnung erging. Ihr Mann konnte sich nicht mit ihr in Verbindung setzen, da es in den ersten Tagen nach dem Erdbeben keine Telefonverbindung gab. Am nächsten Tag machte er sich mit einigen jungen Brüdern auf den Weg, um sie vielleicht zu finden. Als sie zu dem Haus kamen, wo sie zum Studium sein sollte, war es zerstört, und niemand war in der umliegenden Gegend. Er ahnte das Schlimmste. Doch sie entschlossen sich, weiterzusuchen. Sie gingen hoch in die Anhöhen der Umgebung und hielten Ausschau nach einem möglichen Unterschlupf. Die Kletterei war sehr beschwerlich, und der KA sagte zu dem 20jährigen Bruder, der bei ihm war, dass er zurückgehen solle, er würde allein weitergehen. (Wenn man die Bilder nach dem Tsunami gesehen hat, kann man sich vorstellen, wie es war.) Der junge Bruder sagte: „Auf keinen Fall! Ich bleibe bei dir“ Sie gingen weiter und sahen schließlich vor sich auf einem Hügel ein kleines Clubhaus (Kominkan). Als sie es erreichten, waren dort etwa 10 Menschen, einschließlich seiner Frau. Sie sagte, es sei ihr kalt gewesen und sie hatte Angst, also blieb sie im Auto, doch sie erinnerte sich an einige Schriftstellen und las sie mit der Schwester, die bei ihr war, und sie beteten. Sie erzählte ihrem Mann, dass sie sich sicher fühlte, und es war, als ob sie ihr Leben Jehova nochmals völlig neu hingegeben habe. Sie war so überrascht, ihren Mann zu sehen. Sie dachte nicht, dass er die Zeit hätte, nach ihr zu suchen. Sendai, wo die gesamte Küstenlinie weggeschwemmt wurde, hat nächstes Wochenende Tagessonderkongress. Die verantwortlichen Brüder sagten dem Zweigbüro, dass sie den Kongress wie geplant abhalten werden. Das Zweigbüro lobte ihre ausgezeichnete Arbeit bei der Hilfe für ihre Brüder und Schwestern. Iwate: Die Brüder des Zweigbüros besuchten zwei Städte – Ofuna und Rikuzen Takada, die durch den Tsunami am Schlimmsten betroffen worden waren. In jeder Versammlung gibt es 40 Verkündiger. Niemand in diesen Versammlungen kam ums Leben, doch viele verloren ihre Häuser, und bei einigen werden Familienangehörige vermisst. Die Königreichssäle sind nicht gebrauchbar. In Rikuzen Takada holte ein Ältester seine Tochter von der Schule ab. Sie gingen zum Königreichssaal, doch er war weggeschwemmt worden. Er versuchte, die Verkündiger zu besuchen, doch die Straßen waren unpassierbar, und er konnte sie nicht alle besuchen. An jenem Abend entschieden sie sich jedoch, die Zusammenkunft abzuhalten. Man musste zu Fuß hingehen, doch 16 Anwesende trafen sich im Haus eines Ältesten und führten das Bibelstudium, die theokratische Schule und die Dienstzusammenkunft durch, mit Taschenlampen während der Stromsperre. Sie haben seit dem Unglück keine Zusammenkunft versäumt. Eine Schwester war erst vor drei Monaten in die Gegend gezogen. Sie und ihr Mann mussten ihr Auto zurücklassen und rennen, um dem Tsunami zu entkommen. Sie erreichten eine höher gelegene Schule. Die Welle riss ihr Auto mit. Ein Ältester in jener Versammlung brachte einer Familie in jener Versammlung Futons und Decken in den Schutzraum. Sie waren die Ersten, die Decken erhielten, die sie wärmen sollten, also teilte die Familie freundlicherweise ihre Decken mit anderen im Schutzraum – die Schwester bekam dann eine Erkältung. Eine andere Schwester ist behindert und wohnt alleine in einem städtischen Wohnblock. Sie war sehr nervös, doch die Brüder besuchten sie umgehend, und junge Schwestern blieben in der Nacht nach dem Erdbeben bei ihr. In der nächsten Nacht blieb ein Ältester und seine Frau bei ihr. Sie sagte, dass sie buchstäblich die Erfüllung von Jesaja 32:1,2 erlebte. Heute (Freitag, 1. April) machten sich weitere Brüder des Zweigkomitees und der Dienstabteilung in die Gegend von Tohoku auf. Sie werden weitere Städte besuchen, für die Brüder Vorträge halten und die Situation in den Gebieten abschätzen. Der Zweig wird weiterhin alles tun, was möglich ist, um den Brüdern in dieser Katastrophe beizustehen. Ein persönlicher Zusatz: der junge Bruder, der am Esstisch neben mir sitzt, ist Zeitarbeiter für drei Monate. Er ist erst 19 Jahre alt und von Sendai. Das Haus seiner Familie wurde von dem Tsunami verschont, doch es wurde beschädigt, und sein Vater ist nicht in der Wahrheit. Er dachte, dass er ihnen gleich nach dem Erdbeben und Tsunami helfen sollte, doch die Straßen waren nicht passierbar, und die Regierung ließ niemanden herein. Schließlich konnte er etwa vier Tage nach dem Erdbeben seine Eltern telefonisch erreichen. Sein Vater sagte zu ihm, er solle sich keine Sorgen machen, sondern im Bethel bleiben und seinen dreimonatigen Dienst beenden. Es würde noch genügend zu tun geben, wenn er heimkäme. Heute ist sein letzter Tag im Bethel, und er bepackt sein Auto mit Lebensmitteln, die er seiner Familie und der Versammlung mitnehmen möchte. Die Straße nach Sendai wurde Ende letzter Woche geöffnet, gerade rechtzeitig, sodass er nach Hause fahren kann. Als er fragte, was sie benötigen, sagte sein Vater: „Alles.“ Die Mutter sagte, sie hätten überhaupt keine Frischwaren. Alles, was sie essen, ist Reis und Dosen- oder Instantnahrung. Der Vater hat seinen LKW mit Dieselmotor angeboten, um für die Brüder in den Schutzräumen und Königreichssälen Proviant zu befördern. Also sind die Brüder am Tisch unterwegs, um frisches Gemüse zu besorgen, das er mit nach Hause nehmen kann. Da wir in einer relativ ländlichen Gegend wohnen, gibt es viele kleine Farmen mit Gemüse, das sie direkt vom Feld aus verkaufen. Morgen werden wir sehen, was wir noch für ihn besorgen können, das er mitnehmen kann. Am Sonntagmorgen fährt er zurück nach Sendai. Es gibt noch mehr Erfahrungen, doch diese müssen bis zu einem anderen Mal warten. In Liebe,
aus Japan
(Übersetzt)
